Dancing Barefoot gibt es zur Zeit im distelmeyerischen Kabinett live zu hören. Kein Wunder, der Herr ist auch schon eine Weile bekennender Fan der Punk-Poetin. Auch wenn Wave nicht ihr bestes Album ist, hält es ein paar superbe Songs bereit. Frederick, eine Hommage an Ihren damaligen Mann sowie das Byrds-Cover So You Want To Be (A Rock and Roll Star) sind längst Klassiker. Wie auch Dancing Barefoot.

ddd Schwarze Sphinx

Eine Dekade nach dem phänomenalen Lover’s Rock meldet sich eine der schönsten und traurigsten Stimmen der Popmusik leise und ohne grosses Tam Tam zurück.

10 Jahre ohne neue Platte, 10 Jahre ohne Schlagzeilen in den Medien, das ist im Normalfall das kommerzielle Todesurteil eines jeden Musikers und oder einer jeden Musikerin. Nicht so bei Sade, die schon immer etwas mysteriöses, unnahbares ausstrahlte. Eigentlich heisst Sade (ausgesprochen Schadée) ja Helen. Doch mit diesem Namen hätte sie sich wohl nie so einen Mythos um ihre Person aufbauen können. Da klingt der Künstlername viel geheimnisvoller, exotischer und vor allem schöner. Apropos schön: Eine Schönheit ist auch Sade immer noch, die trotz ihrer 51 Lebensjahre genauso wenig altern will wie ihre Musik.

So verwundert es auch keinen, dass „The Moon And The Sky“, der Opener des Albums, da anknüpft, wo „It’s Only Love Get’s You Through“ vor 10 Jahren aufgehört hat. Mit ganz wenig und kaum hörbar, bis sich Sade dann voller Leidenschaft in das klagende Liebeslied reinsteigert. Man hat gleich wieder das Gefühl, auf einen guten alten Freund zu treffen, der nie weg war.

„Soldier of Love“ bietet wieder genau von dem so Erhofften, den so typischen und schwermütigen Liebesliedern, die man am liebsten stundenlang umarmen möchte. Die Stimme schmachtet noch einen Tick dunkler, was dem stilsicheren und edlen Sound noch mehr Traurigkeit entlockt.

Wie jedoch schon Eingangs erwähnt, sind 10 Jahre eine lange Zeit und so kamen Sade und Band nicht ganz um ein paar Modernisierungen bzw. Verfeinerungen ihres Sounds herum. Vereinzelte, verschleppte Hip Hop- Beats wurden eingestreut, oder, wie im Song „Babyfather“, sanft mit dem Reggae geflirtet. Der Titeltrack, und zugleich auch die erste Single vom Album, verführen gar mit fast schon unglaublichen Metallelementen und Marschrhythmen. Trotz dieser neuen Nuancen bleibt „Soldier of Love“ aber ein typisches Sade Album. Jazz und Lounge angehauchter, handgemachter Soul der sich weiterhin den gängigen Trends verweigert. Erfolgreich.

Auch wenn das Album ohne Überhits wie „Smooth Operator“ oder „No Ordinary Love“ auskommen muss, kann man von einem mehr als nur gelungenen Comeback sprechen. Ein in sich geschlossenes Werk ohne einen schlechten Song.

Spoon, einer der ganz wenigen Bands, die es seit mehr als einem Jahrzehnt verstehen, qualitativ hochstehende Alben zu veröffentlichen. Erst grad vor kurzem kam ja Transference auf den Markt. Wie immer braucht das typische Spoon Album Zeit zum wachsen, deshalb ist der Song des Tages auch mein bisheriger All-Time-Spoon-Favorite, das funkige I Turn My Camera On.

19 Songs für die kalten Tage im Leben. Enjoy!

Snowe – Hale Bop
Four Tet – Angel Echoes
Pet Shop Boys – Being Boring
Galaxie 500 – Snowstorm
Beach House – Walk In The Park
The Microphones – Headless Horseman
Art Of Fighting – Give Me Tonight
Devendra Banhart – I Remember
Smog – Nineteen
Sade – Soldier Of Love
Charlotte Gainsbourg – Heaven Can Wait
Beck – Everybody’s Gotta Learn Sometimes
Junior Boys – Teach Me How To Fight
El Perro Del Mar – Change Of Heart
Benjamin Biolay – Rose Kennedy
Morrissey – Hold On To Your Friends
Joe Henry – Parker’s Mood
Anna Järvinen – Götgatan
The Dirty Three – Sue’s Last Ride

Download: http://www.mediafire.com/?2nzmndhjxnz

teen dream
Nur 2 Jahre nach dem phänomenalen Album Devotion legen Beach House mit Teen Dream in beeindruckender Manier nach.

Alex Scally und Victoria Legrand, das Duo hinter Beach House, sind längst keine Teenager mehr. Seit Jahren schon schrauben die aus Baltimore stammenden Musiker an ihrer eigenen Variante des Dream Pop, was bisher gut gelang und ihnen bereits zahlreiche Fans rund um den Globus beschehrte. Never change a winning strategy dachten sie sich und blieben dem Erfolgsrezept auch auf dem neusten Output treu, ja perfektionierte es gar noch. Noch immer leiert die Orgel schief zu schwebenden, verschwommenen Gitarrenakkorden, noch immer sind sie da, die Aaaahs und Oooohs eingehüllt im Sixties-Wall of Sound Schleier, tief getunkt in Hall und auch der einsame Drumcomputer scheppert weiter vor sich hin. Hört man jedoch ein wenig genauer hin, erkennt man in der vertraut scheinenden Welt von Beach House unerwartete Wendungen. Der Gesang von Victoria wirkt um einiges variantenreicher und intensiver. Dies verleiht der Musik Eleganz und Tiefe. Auch das Songwriting wirkt ausgereifter und abwechslungsreicher. Die Songs kommen nun etwas dynamischer und farbiger daher als früher, ohne jedoch den bekannten atmosphärischen Melodiebögen untreu zu werden. Beste Beispiele für diese neue Dynamik sind Norway und Walk in the Park, die Hits des Albums. Vor allem Walk in the Park mag mit seinem hymnenartige Refrain zu begeistern und hat das Zeugs zu einem der Indie-Hits des Jahres zu werden. Aber auch 10 Mile Stereo trumpft mit sphärischen, an die Dream Pop-Legenden Slowdive erinnernden Keyboardflächen gross auf. Man möchte am liebsten mit dem Song davonschweben, so schön ist das.

Teen Dream ist eher ein Album für die kühleren Tage des Jahres und eignet sich u.a. bestens um zu Hause bei heissem Kaffee oder Tee dem winterlichen Treiben auf den Strassen vor dem Fenster zuzusehen. Aufgenommen wurde das Album übrigens in einer umgebauten Kathedrale in New York. Produziert hat Chris Coady, der auch schon bei TV On The Radio und Blonde Redhead erfolgreich Hand anlegte.

Beach House haben mit ihrem dritten Album ihr bisheriges Karriere-Highlight
markiert. Es ist die konsequente Weiterentwicklung einer Band, von der man in Zukunft noch viel hören wird. Die Band gilt ja nicht umsonst als die derzeit beste Schnittstelle zwischen Mazzy Star und Galaxie 500. Auch Grizzlybär Ed Droste ist ähnlich begeistert wie ich und zwitscherte vor kurzem via Twitter, das Album sei “Insanely perfectly gorgeous amazingness”. Dem bleibt nichts mehr hinzuzufügen.

Als Wires 2001 auf den Markt kam, schlug das Album wie eine Bombe in meine Welt ein. Melodien für Millionen und zwar 11 mal. Dazu kommt die wunderbare, melancholische Stimme von Ollie Browne. Ein Album wie aus einem Guss. Und das schöne daran ist, man hat sich verglichen mit anderen Outputs, auch im Jahre 9 nach Release noch immer nicht daran satt gehört.

The Clean, Indielegenden aus Neuseeland, meldeten sich letztes Jahr mit ein paar superben Stücken zurück. Eines darunter war Are U Really On Drugs. Schade, konnte das Album das Niveau nicht bis zum Ende hin halten.

Viel wurde schon über Vincent Gallo erzählt und geschrieben. Er ist Exzentriker, Arschloch, Republikaner, Provokateur, Irrer, Schauspier, Maler und Spermahändler in einer Person. Ein richtiger Tausendsassa, ein Hansdampf in allen Gassen und, was die wenigsten wussten, auch ein äusserst begnadeter Musiker.

Ob No Wave, Punk, Filmmusik, oder elektronische Frickeleien, er scheint keine Grenzen zu kennen. Mit „Lonely Boy” vom „Buffalo 66“ Soundtrack hatte er Ende der 90-er Jahre angekündigt, zu was er fähig sein kann. Ein eigenwilliger, in Jazz-Ästhetik angereicherter Song.
Als damals die Nachricht umging, dass das für elektronische Musik bekannte Label Warp ein Album von ihm veröffentlichen wird, war das eine kleine Sensation. Es folgte die erste Single „Honey Bunny“, dazu ein an Kenneth Angers „Kostum Kar Kommando“ angelehnter Videoclip. Zu sehen gab es leicht bekleidete Mädchen, u. a. dargestellt von Paris Hilton, die sich während 3 Minuten um die eigene Achse drehten. Musikalisch rollte er die schon früher von ihm bekannte filmmusikhafte Jazz–Ästhetik nochmals neu auf, vorgetragen mit einer wimmernden und monotonen, vor Selbstmitleid zerfliessenden Stimme. Wüsste man nicht, dass hier Vincent Gallo singt, der Typ würde als verweichlichter Waschlappen durchgehen.

Die Songs auf „When“ leben in einer eigenen Welt. In einer Welt voll von kostspieligen, retro-geschwängerten Instrumenten und Aufnahmegeräten. Dazu gesellen sich ein paar verschleppte Beats sowie reduzierte, cineastische Soundcollagen. Immer sehr skizzenhaft und doch immer fein ausgetüftelt. Liebeserklärungen an seinen “Beautiful White Dog“ dürfen genauso wenig fehlen, wie ein weiterer Tribut an seine damalige Muse im Song „I Wrote This Song For The Girl Paris Hilton“, einem Instrumental.

Mitunter mag die Platte am Anfang etwas anstrengend, teilweise etwas zu sehr “arty” klingen, doch spätestens nach 4-5 Hörgängen weiss man, dass man hier ein echtes Juwel vorliegen hat.

„When“ ist grössenwahnsinnig. Genauso wie sein Erfinder und Meister.

Gondry’s Film ist ja schon traurig genug, aber wenn dann zum Schluss des Films Becks’ Coverversion des Korgis Klassikers Everybody’s Got To Learn Sometime eingespielt wird, dann hat man den einsamen Kampf gegen die Tränen so gut wie verloren. Ein Song in einem Film, so passend wie die berühmte Faust aufs blaue Auge. Ein Song, der mehr ist, als nur ein Song des Tages, egal ob in der Version von Herrn Hansen oder der Korgis.

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