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Rogér Fakhr – (Such a) Trip Thru Time (2021; Fine Anyway)

Folk aus dem Libanon irgendwo zwischen Nick Drake und Cat Stevens, zeitlos und wunderschön. Die Songs sind zwar schon 45 Jahre alt, doch mehr als ein paar Kopien auf Kassetten gabs es damals nicht. Der Bürgerkrieg im Libanon tat sein übriges und Rogér Fakhr begrub seine musikalischen Ambitionen und wanderte stattdessen in die USA aus. Danke dem eifrigen Berliner Label Habibi Funk gibts nun Fine Anyway auch für die breite Masse und wer weiss, vielleicht gibts ja so ein neues Popwunder à la Rodriguez. Zu Wünschen wäre es dem guten Manne jedenfalls.

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Spirit Fest – Mirage (2020; Mirage Mirage)

Viele Pakete fanden den Weg während des Lockdowns nicht in den heimischen Briefkasten. Die Kohle streichen die Labels, Vertriebe und Mailorders trotzdem ein und verweisen beim Nachfragen auf nichtssagende Paragraphen. Nichts so das Berliner Label Morr Music. Auf Bandcamp einkaufen und 3 Tage später liegt die Musik zu Hause im CD Dreher. So sollte es doch sein. Und wenn dann die gekauften Platten noch wundertoll sind, machts doppelt Spass. Sehr zu empfehlen an dieser Stelle der neue Longplayer der u.a. aus Mitgliedern von Notwist und Tenniscoats bestehenden Band Sprit Fest. Sozusagen eine Indie-Supergroup. Und so klingt das Ganze dann auch aka man nehme das Beste der späten Notwist und würze es mit der leicht verschrobenen Niedlichkeit der japanischen Tenniscoats. Highly recommended!

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Pet Shop Boys – Burning The Heather (2020; Hotspot)

Die neue Scheibe der britischen Kultinstitution Pet Shop Boys bekommt in den deutschsprachigen Medien durchwegs gute Kritiken. Ich kann das nicht ganz so nachvollziehen. Mit der Falco-Jeannie-Gedenknummer Dreamland, Monkey Business und vor allem mit dem abschliessenden Wedding Song, welches selbst für B-Seiten Verhältnisse ziemlich unwürdig ist,  hat es drei ziemlich grauselige Nummern drauf. Der Rest ist aber ziemlich dufte, allen voran die ruhigeren und melancholischen Stücke. Burning the Heather ist so eins, welches mich auch angenehm an die beste PSB-Zeit, also rund um Behaviour, erinnert. Ein Hit.

 

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Gurr – Beetlebum (2019)

Mit rekordverdächtigen 3.5 Jahren Verspätung hab ich es diese Woche ans Zürcher Gurr-Konzert geschafft. Wollte ja schon damals an ihren allerersten Schweizer Gig gehen, auch weil ich die Live-Bassistin fern kenne, doch irgendwie kam ich da niemals an und ich kann mich auch nicht mehr daran erninnern, was damals an diesem Abend/in dieser Nacht effektiv passierte. Nun gut, diese Woche hat es ja geklappt und die Band war wirklich gut. Höhepunkt,  das Blur Cover, welches sie seit kurzem im Repertoire mitführen. Die tätowierten Milchtüten auf meinem Unterarm waren jedenfalls ziemlich entzückt. Darf man also ruhig mal reinhören…..

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#In My Head

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Gurr im Bogen F/Zürich (06.11.2019)

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Nick Cave & The Bad Seeds – Ghosteen (2019; Waiting For You)

Vom spindeldürren und bleichen Junkie zum Songwriter introvertierter und schmerzerfüllter Songs. Der gute Nick Cave hat schon einiges in seinem Leben mitgemacht. Besagte Drogen, Mörderballaden und vor 4 Jahren dann den plötzlichen Tod seines 15 jährigen Sohnes, worüber die Songs u. a. auf seinem mittlerweile 17. Album mit den Bad Seeds – es gibt ja noch zahlreiche Filmmusiken und sonstige Outputs mit dem guten Mann – handeln.  Ghosteen ist ein Doppelalbum, und das bislang ruhigste seiner Bad Seeds-Karriere. Mehr Spoken Word als Gesang, mehr Ambient als exzentrische Instrumentalisierung. 11 Songs die einsamer, sehnsüchtiger, flehender, um mal ein paar wenige passende Adjektive in den Raum zu stellen, nicht sein könnten. Perfekter Soundtrack um bewaffnet mit Parka und Kopfhörern draussen im Regen spazieren zu gehen. Gut möglich, dass ich hier bereits vom Album des Jahres spreche Absolut grossartigstens. Absolut.

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George Michael – Older (1996, Older)

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Auch das noch. Die Spex wird zum Jahresende eingestellt. Das nach 38 Jahren und 384 Ausgaben. Der Markt hat sich in all den Jahren verändert, die Absatzzahlen sich stetig verschlechtert. Im Internet gibt es ja auch fast alles für gratis.
Ich erinnere mich noch an meine allererste Spex-Ausgabe. Es war die Nummer 191. John Spencer blickte vom Cover. Album des Monats war übrigens, welch komischer Zufall, Love Inc. mit Life’s A Gas. Kohle hatte ich damals fast keine und trotzdem kaufte ich mir über Jahre hinweg immer blind jedes Album des Monats. Spex hatte ja Geschmack und das Internet zum selber forschen war damals  noch in den Kinderschuhen. Ein paar Jahre lang hatte ich die Spex sogar im Abo. In den 00-er Jahren zügelte die Redaktion von Köln nach Berlin und läutete eine neue Ära ein. Diverse Redesigns und Autorenwechsel später, es muss so ca. 2016 gewesen sein, verlor ich das Interesse am neu aufkeimenden intelektuellen Geschwurbel. Als letztes erinnere mich noch an diese eine komische, nichtsagende und überlange Kettcar-Rezension. Viel Bla-Bla um nichts, also fast ein wenig wie früher, als der Jungspund in mir die spexianischen Fremdwörterattacken zwecks Distinktionsgewinn im minuten Takt aufsog.  Mittlerweile jedoch bin ich in der Mitte des Lebens angekommen und habe schlichtweg keine Zeit und Nerven mehr  jede Rezension, jeden Abschnitt drei oder viermal lesen zu müssen. Womöglich haben all die alkoholischen Einheiten in den letzten 25 Jahren die letzten Fremdwörter und Satzbastel-Hirnzellen im Hirn abgetötet. Egal.
Auch wenn ich nach dem letzten Umzug fast alle Magazine ins Altpapier warf, Spex war wohl der wichtigste Teil meiner muskalischen Sozialisierung. Zwei Ausgaben hüte ich ja noch heute wie den heilgen Gral. Die vom Millenium mit den 100 besten Platten aller Zeiten – zig Stunden wurden mit dieser Ausgabe zwecks entdecken neuer Musik verbracht – sowie die Ausgabe 01/99 mit George Michael auf dem Cover. Auf letzterem Titelbild ist mit einem blauen Kuli die damalige Telefonnummer meiner jetztigen Frau gekritzelt. Amen!

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Sophie Hunger – There Is Still Pain Left (2018; Molecules)

Jaja, ich gebe es ja zu. Ganz die Finger von Neuveröffentlichungen kann ich dann schon nicht lassen. Es gilt ja, wie jedes Jahr, den Soundtrack zur Zeit zu finden. In den künftigen, hoffentlich schönen Erinnerungen an den Herbst 2018 wird mit grosser Bestimmtheit auch Molecules von Sophie Hunger eine gewichtige Rolle spielen. Ich beneide Sophie Hunger ja sehr. Nicht weil Sie im Berlin lebt, nein, sondern weil sie ziemlich dicke mit dem Graf von Monte Schizo, alias Dirk von Lowtzow ist. Aber das ist dann eine andere Geschichte. Dass Sophie vor ein paar Jahren von Zürich nach Berlin umgesiedelt ist hört man Molecules an. Ihr bis dato von Jazz-, Chanson- und Folk beinflusster Pop wurde durch pluckernde, elektronische Sounds ersetzt. Sie selber nennt es minimalistischer elektronischer Folk, was das ganze gut trifft und Frau Hunger, ganz wichtig, auch ausgezeichnet steht. Neues Lieblingslied gefällig? Dann unbedingt den heutigen Song des Tages hören.  Oder Coucou, den Album-Closer (fand ich aber auf Youtube grad nicht). Gänsehaut ist garantiert.
Für mich persönlich ihr bis dato absolut bestes Album und wenn jetzt nicht der ganz grosse internationale Durchbruch kommt, dann wohl nie. Hörtipp!

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Tocotronic – Hey Du (2018; Die Unendlichkeit)

Bin ich etwas was du nicht kennst, dass du mich Schwuchtel nennst? Mindestens eine halbe Ewigkeit ist es seit dem letzten Tocotronic Album her. Am 26. Januar folgt nun aber die Erlösung in Form eines neuen, autobiographischen Longplayers namens Die  Unendlichkeit. Nach dem ausgiebigen Hören der ersten beiden Vorabsongs Hey Du und 1993 sind die Plätze zuoberst auf dem Treppchen sämtlicher Jahresendlisten 2018 hier auf diesem Kanal bereits am 10.11.2017 vergeben. Verziehen ist somit auch Herrn von Lowtzow’s Abwesenheit als Chef de la Musique an meinem Fest. Allergrösste Vorfreude und ein 100faches geil geil geil.

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LCD Soundsystem – American Dream (2017; American Dream)

Er existiert noch immer, der grosse amerikanische Traum. LCD Soundsystem‘s sind dafür verantwortlich und zeigen der Musikwelt mit ihrem fantastischen neuen Album auch gleich,  wo mit American Dream der musikalische Hammer 2017 platziert ist. Und der hängt sehr weit oben. Lange sieben Jahre nach scheinbarer Beendigung des Bandprojekts und 2’398 ausgeschenkten Kaffee’s später wollen es New Yorks Oberhipster James Murphy und seine Mannschaft nochmals wissen und legen nach dem schon ziemlich fantastischen This is Happening noch eine Schippe obendrauf und musizieren sich in bester David Bowie/Brian Eno/Talking Heads-Manier gewürzt mit diversen hausgemachten Zitaten in erneute Höchstform. Ein wenig ruhiger und melancholischer als früher, aber auch ein James Murphy wird schliesslich nicht jünger. Hörtipp.

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