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Elton John – Daniel (1973; Don’t Shoot Me I’m Only the Piano Player)

Da war ich nun zur Mittagszeit im stets geschäftigen Amsterdam. Das Ziel, die um Mitternacht beginnende Aufführung von Max Richters Sleep. 8 Stunden und ein paar Minuten dauert das Stück bekanntlich und so galt es vor dem Musikmarathon die Kräfte gut einzuteilen. Nichts wäre peinlicher, als schon nach 5 Minuten schnarchend sowie vermutlich noch besoffen dazuliegen und am nächsten Morgen dann vom Concierge unsanft geweckt zu werden. Noch peinlicher, weil mein gebuchtes „Bett“ sich in der Mitte der ersten Reihe befand. Somit galt es lange Märsche und Zechtouren durch die Stadt weit möglichst zu vermeiden. Doch was macht man gut 12 Stunden in Amsterdam, wenn nicht Trinken und die Kanäle rauf und runtergammeln? Genau! Und so begab ich mich schon kurz nach Ankunft in ein Pub unweit der Kaizersgracht, oder war es doch die Prinzengracht, egal, und wollte da meinen Durst mit einem Wasser löschen. Das Lokal gefiel mir auf anhin. In der Ecke stand ein Plattenspieler und darüber forderte ein Plakat auf, dass man doch seine Platten spielen soll und darf.  Drinnen kaum Betrieb. Ein aus vermutlich Asien stammender, junger Mann nutzte die Möglichkeiten des Wireless-Internets und die Servierdame legte grad neue Musik auf. Elton John‘s Daniel erklang aus den Boxen. Man kann über den guten Mann sagen und denken was man will. Er hat in einer Zeit, lange vor dieser, mal wirklich tolle Platten veröffentlich. Dazu gehört sicherlich auch Don’t Shoot Me I’m Only the Piano Player aus dem Jahre 73. Ein gute Stunde später verliess ich das Lokal mit ein paar Euronen weniger im Sack und dafür aber mit drei köstlichen holländischen IPA’s im Ranzen. Notabene grossen, ich hatte ja, wie eingangs erwähnt, ordentlich Durst. Um die wieder abzubauen, irrte ich nun ein paar Stunden in der Stadt rum. Auch keine gute Idee. Denn um 18 Uhr zählte mein iPhone bereits 32’489 getätigte Schritte. Und Durst hatte ich auch wieder. Somit ein gepflegtes Weizen in Schwiegervaters liebsten Supermarkt geholt, dazu ein paar Sushis und mich dann erstmal in der Nähe des legendären Concergebouw’s aufs Ohr gehauen. Sich in Amsterdam mal einfach so aufs Ohr hauen birgt aus eigener Erfahrung gewisse Risiken. Ungern erinnere ich mich an diese eine Nacht damals 1995 im Vondelpark. Ich hatte jedoch Glück und beim Erwachen waren meine Habseligkeiten noch alle da. Somit ging es dann doch relativ gut erholt zur Aufführung von Sleep und kann mit Stolz behaupten, ganze 4,5 Stunden des Konzerts bewusst erlebt zu haben. 2,5 am Anfang und 2 am Ende. Dafür erging es dem Kollegen auf der Pritsche hinter mir nicht so nach Wunsch. Erst krachte seine Liege zusammen, dann leerte er sich den Rotwein über die Klamotten und eine halbe Stunde später lag er dann laut schnarchend auf dem Rücken und erwachte erst wieder ne Viertelstunde vor Ende des Konzertes. Kann passieren, und wenn ich das so richtig beobachtet habe, schliefen die meisten schon kurz nach Beginn ein. Somit hätte ich ja vielleicht doch noch 2-3 Bier mehr trinken können.

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Manu Chao – Clandestino (1998; Clandestino

gartenr.jpgManu Chao’s Version der Weltmusik ab Konserve auf dem Balkon bei angenehmen 20 Grad und Blick auf den Wipkinger Hinterhofdschungel (auf dem Foto leider nicht erkennbar, die noch schneebedeckten Glarner Alpen). Es gibt wahrlich schlimmeres im Leben oder wie uns die Mastercard-Werbung schon oft weissmachen wollte, ein unbezahlbarer Moment.
Meine Liebe zu Clandestino geht zurück bis ins Jahr 1999. Ich war damals für ein paar Monate in den USA und Kanada unterwegs.Nach einem äusserst garstigen Winter – in Minneapolis z.b kämpfte ich mich bei -20 Grad und Bise mit einem dünnen Lederjäckchen tagelang durch die eher triste Stadt – verschlug es mich nach Miami Beach, welches dank der zahlreichen Migranten für sein doch eher karibisches Feeling bekannt ist und teilte da mit einem Deutschen und zwei Argentiniern für 10 Tage ein Zimmer. Abends sassen wir dann oft gemeinsam auf dem zimmereigenen Balkon, tranken billigen Rotwein und erzählten uns Geschichten aus dem Leben. Dabei spielte uns der eine Gaucho auf einem Ghettoblaster immer wieder Clandestino, die politische Weltenbummler Platte von Manu Chao, vor. Eine Platte die bei mir sofort zünden sollte und seitdem vermutlich die meistgehörteste Platte – mit grossem Abstand – sein dürfte. Tragischerweise ist Clandestino derzeit thematisch wieder aktueller denn je.

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Tindersticks – Another Night In (1997; Curtains)

Zurzeit spielen schon fast traditionell im Zürcher Kaufleuten die guten alten Tindersticks ihre rotweingeschwängerten Lieder und lassen dabei die meisten Leute (mal abgesehen von den Goldmember-Karteninhaber rund um Ex-Missschweiz Melanie W, die da meist mit doofen Konversationen und deftigem Gucci-Parfüm das Restpublikum nerven) in einer angenehmen Melancholie schweben. In solch einer melancholischen Rotwein-Laune wäre ich dann heute Abend dann doch auch gewesen und wollte dann kurzerhand nach der Arbeit und dem Sport noch spontan ans Konzert. Karten waren noch verfügbar. Somit noch schnell nach Hause für den obligaten Kleiderwechsel und einem kleinen Snack. Kühlschrank auf, Reste von Missmodernages superleckerer Schichtentorte entdeckt und von dem mastigen Teil dann auch gleich zwei ordentliche Stücke verdrückt, mit dem Resultat, dass das Völlegefühl erstmal auf dem Sofa auskuriert werden musste. Da bin ich nun gut 90 Minuten später immer noch und höre mir anstatt Live-Tindersticks halt ein paar Klassiker aus der Frühphase an. Tindersticks-Lieblingssong für immer und ewig: Another Night In. So schön.

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Saâda Bonaire – You Could Be More As You Are (1984 resp. 2013; Compilation)

Die meisten Menschen setzen sich in der Küche gern zusammen, um zu reden, zu spielen, zu lachen. Es geht um das Miteinander, um Geborgenheit, ums entspannte Dasein. Ja, seit dem Umzug letzten November ist, wie der treue Leser sicherlich schon bemerkt hat, die Küche auch mein Wohlfühlort Nummer 1 und da sitze ich auch einmal mehr und entdecke, ausnahmsweise nicht bei Leberschädigendem, sondern bei einem Erkältungstee, neue ältere Musik. Zum Beispiel, die des obskuren deutschen Frauen-Synthpop-Duo Saâda Bonaire mit You Could Be More Than You Are aus dem Jahre 84. Herrlich.

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Terry Hall – Ballad of A Landlord (1997; Laugh)

Auf der Suche nach perfekten Popsongs stiess ich heute in der Mediathek auf dieses wunderbare Juwel aus dem Jahre 1997. Klingt wie ein frühsommerlicher Sommeruntergang bei einem Glas Rotwein auf dem Balkon oder auf der Wiese am See. Perfekt. Und so nebenbei sollte die Menschheit sowieso mehr Terry Hall hören.

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Eros Ramazzotti – Adesso Tu (1986; Nuovi Eroi)

Dann wenn man Rotwein mit Wasser verwechselt ertappt man, in diesem Falle Call Me Appetite, sich beim Hören alter Schnulzen von Eros „Nasenbär“ Ramazzotti.  Aber ja, der Song ist schon ziemlich klasse, sonst hätte ich den ja nicht gewählt 😉

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Triptykon – Boleskine House (2014; Melana Chasmata)

Wem die neue Dieter Meier zu lasch ist und sich sowieso viel lieber von seinem vorzüglichen argentinischen Malbec einlullen lässt, der sollte vielleicht mal in das neue Album von Tom G. Warrior alias Thomas Gabriel Fischer anhören. Triptykon nennt er sein neues Projekt und mit Melana Chasmata hat die Band ein Album veröffentlicht das düster, dicht und absolut unerbittlich in seiner Schwärze ist und das beste aus Hellhammer/Celtic Frost Zeiten vereint und ist somt ein Meisterwerk der etwas härteren Gangart. Dazu schmeckt vermutlich Bier oder Whiskey  besser als Dieter Meiers Rotwein. Für letzteres spare ich mir den passenden Post für morgen auf.

 

 

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