Tag Archives: Folk

Magnetic Fields – ’68: A Cat Called Dionysus (2017; 50 Song Memoir)

Gut Ding will Weile haben. Die 50 neuen Songs vom neuen Monsteroutput der Magnetic Fields mussten in den letzten Tagen und Wochen erstmal so richtig verdaut werden. So offensichtliche Ohrwürmer wie Luckiest Guy on the Lower East Side, Papa was A Rodeo, Absolutely Cuckoo und mindestens 20 andere, übrigens zu hören damals vor einer halben Ewigkeit auf dem Überwerk 69 Love Songs, gibt’s beim ersten oberflächlichen Kennenlernen nicht zu entdecken. Somit machte sich erst mal eine leichte Prise der Enttäuschung bei mir breit. Irgendwie hat man das Gefühl, zumindest wenn man frühere Werke der Magnetic Fields zum Vergleich herbeizieht, dass der Herr Merritt ein wenig abgelöscht, ja frustriert klingt. Ob das mit einer allfälligen Midlife-Crisis zu tun hat? Zumindest haben die 50 neuen Songs nicht mehr viel mit dem jugendlichen Wahnsinn der eben erwähnten 69 Liebeslieder am Hut. Obwohl von Folk, über gepflegten Indiepop, schrägen Synthie-Sounds und allerlei anderen musikalischen Spielereien wiederum die ganze Bandbreite an Stilrichtungen vertreten ist, klingt hier erstmal alles etwas generisch. Ausreisser nach oben müssen mit dem Hörgerät aufgespürt werden. Einer davon ist für mich ganz klar der heutige Song des Tages. Dafür, und das ist doch auch ziemlich beachtlich, gibt’s unter den 50 neuen Songs auch keinen wirklich schlechten Song zu verzeichnen. Und so ertappe ich mich nach der niedergelegten ersten Enttäuschung mittlerweile doch fast täglich beim Anhören der Memoiren von Stephin Merritt und kann getrost behaupten, das 50 Song Memoir ein klassicher Grower ist und  somit jede investierte Minute Gold wert sein kann. Summa summarum ein gutes Album, das am besten als Ganzes konsumiert wird. Tipp!

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Bon Iver – 33 “God” (2016; 22, A Million)

 

Mein bescheidener Arbeitsplatz ist in einer doch eher exklusiveren Ecke der Stadt untergebracht. Weniger exklusiv ist mein monatlicher Zustupf für die tägliche Lohnarbeit. Dafür ist beim selbstfinanzierten, suchtgesteuerten Kaffeekonsum am Büroküchenfenster oft sehr schön zu beobachten, was sich da so für Leute im Hinterhof rumtreiben. Nebst ein paar renommierten Anwaltskanzleien, ist da auch eine grössere, national bekannte Werbeagentur beheimatet und entsprechend ist der  Hinterhofcatwalk dank den modischen Mitarbeitern meist gut besucht. Wobei auch deren Klientel meist etwas gar übertrieben einer bestimmten Szene angehören will. Vorhin zum Beispiel fuhr am Fenster ein übergrosser Off-Roader vor. Ihr wisst schon, eines dieser mega Teils, wo die meist viel zu kleinen Köpfe kaum über den Autolenker ragen und man beim flüchtigen Hinsehen mit einem führerlosen Automobil rechnet. Ausgestiegen ist dann in der Tat ein eher kleiner, ziemlich bärtiger Mann älteren Semesters. Beim Türe öffnen noch kurz einmal den verstorbenen Steve Lee laut aufheulen lassen, bevor er dann breiten Schrittes, verkleidet in Carhartt-Bagypants, einer übergrossen Wollmütze, Designergummistiefeln sowie einer Allwetterwindjacke  von Barbour – das geschulte Auge erkennt dies am Cordkragen – selbstbewusst Richtung Werbeagentur schritt. Man hätte meinen können, der gute Herr sei auf dem Weg in den südamerikanischen Regenwald. Nun gut, für den täglichen, ziemlich harten Überlebenskampf im Schweizer Grossstadttschungel muss man ja auch stets bestens ausgerüstet sein. No Money, no honey….
Ähnlich aufgefallen sein muss auch der Justin Vernon, als er von einem monatelangen Aufenthalt in einer “einsamen” nordamerikanischen Waldhütte zurück in die grosse Stadt kam. Mit im Gepäck hatte er, die unter den traurig-romantischen Karohemden- und Barträgern allseits beliebte Platte For Emma Forver Ago.  Das war vor gut 10 Jahren. Die vielen 20-something “Huschelis” von damals mutierten in der Zwischenzeit erfolgreich zu geldgierigen Geschäftsmännern und -frauen. Aus Justin Vernon wurde ein Popstar. Daran dürfte wohl auch das mit viel Autotuning aufgepeppte 22, A Million nicht viel ändern. Im Gegenteil. Die Wandlung vom scheuen Folkie zum modernen Artpopper ist Bon Iver gut gelungen und somit dürfte er mit seiner Musik 2016 noch mehr Leute, als eh schon, berühren. Wunderbare Platte, die jedoch mit dem Debüt musikalisch rein gar nichts mehr am Hut hat.

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Devendra Banhart – Middle Names (2016; Ape in Pink Marble)

Was für ein geiler Song. Genau so stelle ich mir Musik für den Herbst 2016 vor. Folkig leicht, dazu  eine ordentliche Prise dieser schüchternen und unterschwelligen Melancholie. Herr-lich-stens! Sollte ich also irgendeinmal Arthrose im Zeigefinger haben, dann sind mit grosser Bestimmtheit Middle Names und Devendra Banhart, resp. das durch sie ausgelöste, ständige Betätigen der Repeat-Taste, Schuld daran. Ja.

 

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Karen Dalton – Something On Your Mind (1971; In My Own Time)

Nach dem Urlaub ist bekanntlich vor dem Urlaub. Somit Notiz an meine Wenigkeit für die nächsten Stunden und Tage der freien Zeit die irgendwann mal wieder kommen werden: Keine Termine und leicht einen sitzen haben. Klingt äusserst entspannend und ist ja gemäss dem verstorbenen Tresengott Harald Juhnke die Definition des Glücks schlechthin. Und wenn man dabei noch ein wenig Zeit für Lieblingsmusik hat, umso besser. Zum Beispiel für Karen Dalton, deren spröder und schmerzumhüllter Folk  mit Garantie perfekt in solch relaxte Momente passen würde.

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Emma Pollock – Parks & Recreation (2016; In Search of Harperfield)

Doping, Tschihad und notgeile Gefägniswärterinnen, mit solchen Themen hat die ehemalige Delgados Sängerin Emma Pollock nicht viel am Hut. Vielmehr ist ihr neues, ziemlich schönes und melancholisches Album In Search of Harperfield eine Reise in die eigene Vergangenheit. Musikalisch bewegt sich Emma dabei irgendwo zwischen Indiepop und kitschigem Folk-Ballast. Musik also, die man am besten zu Hause in der warmen Stube oder in der Küche bei einem Glas Rotwein hört. Definitiv ihre beste Tat seit dem Delgados Split.

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Dire Straits – Planet of New Orleans (1991; On Every Street)

Wenn der generell ziemlich nervöse und stets verwirrte Chefdenker sowie Oberstratege schon am Morgen am zappeln und rumspringen ist, dann muss etwas ausserordentliches in seinem Tagesprogramm stattfinden. Das sollte jedoch keine Entschuldigung sein, denn der  gute Mann konnte sich mental schon seit einer Weile auf das heutige Nachtessen, aka Weihnachtsfeier mit seinen Angestellten, vorbereiten.  Als Runterkommer kann ich da nur das strengst unterschätzte, total entspannte wie auch zeitlose On Every Street von den Dire Straits empfehlen. Vermutlich war die Zeit damals nach dem zweitweisigen Bombast des Millionensellers Brothers in Arms einfach nicht reif genug dafür. Auch weil der gute Mark Knopfler hier nie versuchte den Vorgänger zu kopieren , ja gar das Wagnis einging,  einen neuen Weg abseits von den damaligen Trends und Kommerz einzuschlagen. Einen Weg, den Mark Knopfler mit seiner bis heute andauernden Solokarriere konsequent und erfolgreich weiterführen sollte.

 

 

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Pearls Before Swine – Translucent Carriages (1968; Balaklava)

Noch vor 3 Monaten hätte ich mir bei den gut 40 Grad im Schatten nie und nimmer vorstellen können, irgenwann mal wieder Folk resp. Freakfolk zu hören. Das Bedürfnis nach “einfacher” Popmusik war grösser. Nun hat der Indian Summer mit seinen vielen und schönen Farben Einzug gehalten und ich hab mich doch tatsächlich dabei ertappt, wie ich letzthin am Rechner zu Hause die geliebten Bon Jovi und Bruce Springsteen Alben vom iPod gelöscht habe und durch ein paar Folk-Klassiker ersetzt habe. Naja, fast alle gelöscht….

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Sinéad O’Connor – Black Boys on Mopeds (1989; I Do Not Have What I Haven’t Got)

Nach den gestrigen, 2 Stunden und 20 Minuten Noiserock-Attacken der Swans in der überhitzten und von haufenweise nach Schweiss stinkenden Männern besuchten Roten Fabrik fuhr ich dann kurz vor Mitternacht doch ziemlich glücklich aber erschöpft mit dem Bus ans andere Ende der Stadt. Meinetwegen hätte ja die Krachorgie noch ein zwei Stunden weitergehen dürfen, aber Michael Gira und Mannschaft waren dann halt doch auch ziemlich ausgelaugt. Sind ja auch nicht mehr die jüngsten und das Gebotene war einmal mehr sensationell und somit war es gut wie es war. Im Bus dann die Kopfhörer übergestülpt, die Playtaste betätigt und da weitergehört, wo am Morgen das Gedudel aufgehört hatte. Natürlich kein Noise – wann will ja ruhig in den Tag starten – aber nicht minder böse, zumindest die Worte, im Song von Sinéad O‘ Connor. Und so fuhr ich begleitet von Sinéad und ihrem 1989-er Output durch die laue Sommernacht nach Hause wo mich ähnliche Innentemperarturen wie in der Roten Fabrik erwartet haben. File under Sommer 2015

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Sarah Cracknell – Nothing Left To Talk About (2015; Red Kite)

Seit dem letzten Saint Etienne Output sind nun auch schon wieder 4 lange Jahre ins Land gezogen. Eigentlich wäre ein Nachfolger längest überfällig. Vielleicht sollten wir eine Petition unterschreiben, den genauso wie es sich mit dem Hören von Terry Hall-Platten (siehe letzter Eintrag) verhält, ist’s auch mit Saint Etienne-Outputs Man kann nicht genug davon haben. Immerhin gibts nun von Sarah Cracknell, Sängerin der Band, ein wenig Abhilfe in Form eines neuen Soloalbums. Schlappe 18 Jahre sind seit dem letzten Longplayer vergangen, die Stimme klingt aber bezaubernd wie eh und je und was die Musik betrifft, fühlt man sich beim Hören angenehm in die 60-er Jahre versetzt. Freunde von Acts wie Broadcast, Stereolab und den jungen Belle & Sebastian werden beim Hören von Red Kite grosse Freude haben. Dasselbe gilt natürlich auch für alle Saint Etienne jünger. Aber was erzähl ich da auch wieder…  Kurz: schöne Sommerplatte, auch wenn der Sommer Mitte Juni hierzulande schon wieder vorbei ist.

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Laura Marling – False Hope (2015; Short Movie)

Es gibt Momente, da kann man sich noch so Scheisse fühlen und hört dann einen Song und man weiss, das der es ist und man die Welt ist dann schon fast wieder in Ordnung. Klingt etwas pathetisch, ich weiss, ist aber halt eben schon manchmal so. Ein grossartiges Stück Musik, dass mir derzeit täglich grosse Freude bereitet, wie übrigens auch das ganze Album. Tipp!

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