Anohni – Drone Bomb Me (2016; Hopelessness)

 

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Gestern Abend wurde ja bekanntlich das zweite Halbfinale des ESC ausgestrahl. Wiederum am mitfiebern und -leiden vor der heimischen Glotze; Call Me Appetite. Mögliche Ausrede: Man will ja anderntags im Büro bei den Kollegen mit Insiderkenntnissen punkten. Und sowieso, hatte ich doch am Nachmittag schon mehr als genug von den sintflutartigen Regenfällen abbekommen. Somit also mit Wolldecke und baskischem Likör bewaffnet das Treiben des musikalischen Wanderzirkuses beobachtet.  Auch die Schweiz war, wie die vielen Jahre zuvor, wieder voller Hoffnungen mit von der Partie und scheiterte einmal mehr ziemlich grandios am Ostblock und somit war ein weiteres Halbfinalout bittere Tatsache. Wobei ja der Song, wie auch die ziemlich lächerlichen „ich muss mal Pipi“-Kniebeugen biederstes Rentner-Programm waren. Das Ausscheiden somit für einmal absolut gerechtfertigt. In der Kategorie „Trash“ bleibt sicherlich der mit dem Wolf heulende, nackte Weissrusse noch eine Weile in Erinnerung. Musikalisch war aber auch das ein Gräuel. Wie schon im ersten Halbfinale, quälte dann später nochmals eines dieser penetranten Stimmwunder das menschliche Gehör. Glaubt mir, wenn man einer trächtigen Dackeldame auf den Schwanz steht, klingt das harmonischer. Ob meine Stereoboxen wohl das Attentat – das Schlussbouquet war heftig – des mazedonischen Beitrages überlebt haben? Sehr schön dafür die Ballade aus Israel. Guter Refrain und irgendwie erinnerte mich Hovi Star an Antony Hegarty (Antony and the Johnsons, Anohni). Zumindest was das Optische betrifft. Musikalisch ist das doch eine etwas andere Baustelle. Apropos andere Baustelle, Antony hat sich auf Hoplessness weit vom Kammerpop mit den Johnsons entfernt und schlägt unter seinem/ihrem neuen Pseudonym Anohni mit gütiger Mithilfe von den Elektro-Produzenten Hudson Mohawke und Oneohtorix Point Never düsterere, elektronischere und vor allem politischere Klänge an. Sozusagen Protestmusik für die Generation Instagram. Ob das auch irgendwann, wie damals bei Hercules & Love Affair auf dem Dancefloor funktioniert, wird uns die Zukunft dann noch zeigen. Jedenfalls bereitet Hoplessness via Kopfhörer und den hoffentlich noch einwandfrei funktionierenden Stereoboxen ziemlichen Spass. Eines ist jedoch schon sicher: Ende Jahr wird sich Anohni mit grosser Bestimmtheit in den vorderen Rängen der jährlichen Endjahresabrechnung einordnen. Hörtipp.

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