#Momente

 

(…)
Es gibt diese Momente auf der Tanzfläche, wenn synchron mit dem einsetzenden Beat die Füße den Boden verlassen und es ewig dauert, bis man wieder landet. Es gibt diese Momente, am Hafen, die Lichter, die Geräusche, die Schiffe, die Luft und die Nacht und die Wellen, die aussehen wie überdimensionale Schlangen, die sich lautlos aneinander reiben und Liebe machen. Ein „Ich dich auch“, bevor du den Mund aufgemacht hast, bevor du überhaupt Luft holen konntest. Die Sekunde, wenn du die Flasche zum letzten Schluck ansetzt, und auf einmal stimmt alles, die Band spielt deinen Lieblingssong, und du spürst eine Hand auf deinem Rücken. Der Sex mit einem Fremden, der besser war, als die Küsse erwarten liessen, das erste Mal, dass dieses Stück in deine Eingeweide gefahren ist und du im Baß versunken bist, wenn du in einem fremden Land aus dem Flieger steigst und der Geruch dein Herz weit werden lässt. Dieser Moment, wo das Glück einfach da ist und man es sofort merkt. Ich glaube, es ist ein besonderes, zu merken, wann man glücklich ist. Zu merken, wann man glücklich war, kann jeder.
Man müsste allen Dingen ihren Lauf lassen, aber ich tue immer wieder alles, um diesen Moment zurückzuholen. Ich kann es verstehen, dieses Zwanghafte, immer wieder Sex zu wollen oder mit derselben Person zusammensitzen, immer wieder Drogen, immer wieder die Würde ablegen und immer wieder leiden, immer wieder joggen, obwohl mittlerweile die Befriedigung ausbleibt und dieses Gefühl an einem nagt, mal wieder nicht genug getan zu haben. Ich kann es verstehen, wie man sich jedesmal wieder durch den Schmerz quält, durch den Kater, durch Streitereien, durch Demütigungen und leere Stunden, nur um so einen Moment noch mal zu erleben. Es ist wie bei Kindern. Noch mal. Noch mal. Bis noch mal nicht mehr geht oder man vor Erschöpfung zusammenbricht.
Die Dinge werden durch die Wiederholung erst schön. Man tut alles für die Wiederholung. Vielleicht entsteht so Sucht.
Man zahlt den Preis, jeden Preis, man zahlt vielleicht mit Schmerzen, aber man kann es nicht loslassen, das Glück, oder das, was man dafür hält. Ich ahne, dass es falsch ist, aber ich kann oft genug nicht in die andere Richtung gehen.

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